Viele Angestellte zögern vor einer Reduzierung ihrer wöchentlichen Arbeitszeit, weil sie befürchten, bei 20 Prozent weniger Arbeit auch genau ein Fünftel ihres gewohnten Lebensstandards einbüßen zu müssen. Diese Annahme beruht auf einem weit verbreiteten Denkfehler: Sie überträgt die lineare Kürzung des Bruttogehalts ungeprüft auf das tatsächliche Netto.
Das deutsche Einkommensteuerrecht basiert auf einem progressiven Stufentarif (§ 32a EStG). Wer weniger verdient, zahlt nicht nur absolut weniger Steuern, sondern rutscht auch in einen niedrigeren Grenzsteuersatz. Ein Teil des wegfallenden Bruttogehalts wäre ohnehin mit dem Spitzensteuersatz (bis zu 42 %) oder hohen Progressionszonen belegt worden.
In der Praxis bedeutet das: Verzichten Sie beispielsweise auf 1.000 Euro Bruttogehalt, federn Steuererleichterungen und sinkende Sozialabgaben diesen Ausfall zu über 50 Prozent ab. Auf Ihrem Girokonto fehlen am Monatsende oft nur 450 bis 500 Euro Netto – für die Sie im Gegenzug einen ganzen freien Tag pro Woche oder jeden Nachmittag wertvolle Freizeit gewinnen.